Nach den tagelangen massiven Protesten im Iran hat der Wächterrat
Unregelmäßigkeiten bei der Präsidentenwahl eingestanden. Das staatliche
Fernsehen zitierte dessen Sprecher Abbas Ali Kadchodai mit den Worten, in
50 Bezirken seien mehr Stimmen abgegeben worden als Wähler registriert
gewesen seien. Die Revolutionsgarden drohten den Anhängern der Opposition
mit einem "entscheidenden Einsatz". Die Polizei rief die Iraner
zur Denunziation auf.Geistliches Oberhaupt Chamenei erklärt Wahl ... Video
abspielenInspektoren sollten die Statistiken vor Ort prüfen, kündigte
Kadchodai an. Da es aber um drei Millionen von mehr als 38 Millionen
Stimmen gehe, rechne er nicht mit einem "großen" Einfluss auf das
Wahlergebnis. Die drei bei der Wahl am 12. Juni unterlegenen Kandidaten
hätten Unstimmigkeiten in zu vielen Wahlbezirken moniert, sagte Kadchodai.
Der Nachrichtenagentur Fars zufolge bemängelten die gescheiterten
Herausforderer des wiedergewählten Amtsinhabers Mahmud Ahmadinedschad
Unregelmäßigkeiten in 80 bis 170 der 366 Wahlbezirke.Auch am Montag
protestierten im Zentrum der Stadt Augenzeugen zufolge wieder tausend
Menschen. Die Sicherheitskräfte setzten Tränengas ein. 50 bis 60 Menschen
seien festgenommen worden.Fünf Angehörige des früheren Präsidenten Akbar
Haschemi Rafsandschani, die ebenfalls festgenommen wurden, kamen nach
Informationen von Fars wieder frei. Unter ihnen ist auch Rafsandschanis
Tochter Faeseh Haschemi, die Ahmadinedschads aussichtsreichsten
Herausforderer Mir-Hossein Mussawi unterstützte.Die Revolutionsgarden
warnten der Nachrichtenagentur Mehr zufolge, ihre rund 350.000 Mitglieder
sowie ihre Hilfsmiliz, die Bassidsch, seien bereit zum "entscheidenden
Einsatz zur Beendigung des Aufruhrs".Die Polizei rief die Iraner
derweil zur Denunziation auf. Die Bürger sollten "sämtliche
Informationen und Fotos abliefern", mit deren Hilfe die Polizei
"Aufrührer" bei den Protesten ergreifen könne. Im Zentrum von
Teheran versammelten sich laut Augenzeugen erneut rund tausend
Oppositionelle, um gegen das Wahlergebnis protestieren.Das Auswärtige Amt
in Berlin lud indes den iranischen Botschafter zum Gespräch. Dasselbe
Vorgehen sei auch in Paris und London geplant, sagte Vize-Außenamtssprecher
Andreas Peschke.Der Iran übte erneut heftige Kritik am Westen. Westliche
Staaten hätten sich in den Wahlprozess eingeschaltet, indem sie die
Proteste gegen das Wahlergebnis übertrieben dargestellt hätten, sagte Irans
Außenamtssprecher Hassan Ghaschghawi.Unterdessen erließ das britische
Außenministerium eine Reisewarnung. Britischen Bürgern werde von allen
nicht dringend notwendigen Reisen in den Iran abgeraten, hieß es auf der
Ministeriums-Website. Zur Ausreise würden britische Bürger aber noch nicht
aufgefordert.
Monday, June 22, 2009
Subscribe to:
Posts (Atom)